Bevor du eine Immobilie kaufst, solltest du nicht nur den Preis prüfen - du musst auch wissen, was hinter den Wänden steckt. Ein Haus aus den 1980ern mag gut aussehen, aber wenn die Fassade nicht gedämmt ist, die Fenster einzeln verglast sind und die Heizung aus den 90ern stammt, dann kannst du schnell Tausende Euro mehr ausgeben, als du gedacht hast. Eine Energieberatung vor Immobilienkauf hilft dir, diese Risiken zu erkennen - und sie kostet oft weniger, als du denkst.
Warum du eine Energieberatung brauchst, bevor du unterschreibst
Viele Käufer denken: "Ich schaue mir den Energieausweis an, das reicht." Doch der Energieausweis zeigt nur eine Momentaufnahme. Er sagt dir, wie viel Energie das Haus im Durchschnitt verbraucht - aber nicht, warum, und was du dagegen tun kannst. Eine echte Energieberatung geht viel tiefer. Ein zertifizierter Berater kommt vor Ort, prüft die Dämmung der Wände, prüft die Dichtigkeit der Fenster, untersucht die Heizungsanlage und sagt dir genau: Was ist kaputt? Was muss in den nächsten drei Jahren erneuert werden? Und was kannst du später noch machen?Denn wenn du ein Haus aus den 70er-Jahren kaufst, ohne zu wissen, wie teuer die Sanierung wird, dann läufst du Gefahr, dich in eine finanzielle Falle zu begeben. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus aus dieser Zeit kann nach Schätzungen bis zu 100.000 Euro kosten, um es auf modernen Standard zu bringen. Das ist kein Szenario aus einem Horrorfilm - das ist Alltag in Österreich und Deutschland.
Und hier kommt der entscheidende Punkt: Diese Beratung ist nicht nur nützlich - sie ist oft die einzige Möglichkeit, den Kaufpreis zu verhandeln. Wenn der Berater schreibt: "Die Fassade muss komplett gedämmt werden, Schimmelrisiko hoch", dann hast du ein starkes Argument, wenn du sagst: "Ich zahle nicht den vollen Preis, weil ich 30.000 Euro Sanierungskosten dazurechne."
Wie viel kostet eine Energieberatung wirklich?
Die Preise variieren stark - aber du musst nicht alles selbst bezahlen. Es gibt drei Haupttypen:- Telefonische oder Online-Erstberatung: 0-100 Euro. Gut, um eine erste Einschätzung zu bekommen - aber nicht ausreichend für einen Kaufentscheid.
- Vor-Ort-Beratung mit Maßnahmenliste: 500-900 Euro. Hier bekommst du einen konkreten Bericht mit Empfehlungen: Was muss als Erstes gemacht werden? Wie viel spart das? Welche Förderung kommt dafür?
- Individuelle Sanierungsplanung (iSFP): 1.500-2.500 Euro. Für komplexe Häuser oder wenn du langfristig planst. Diese Planung ist notwendig, um KfW-Förderungen zu bekommen.
Die Verbraucherzentrale bietet Beratungen ab 30 Euro an - und für einkommensschwache Haushalte sogar kostenlos. Das ist eine gute Option, wenn du nur eine erste Orientierung brauchst. Aber wenn du wirklich wissen willst, was auf dich zukommt, dann lohnt sich die professionelle Vor-Ort-Beratung.
Die staatliche Förderung: Bis zu 650 Euro Zuschuss
Hier ist der Trick, den viele nicht kennen: Der Staat zahlt bis zu 650 Euro für deine Energieberatung - du zahlst nur die Hälfte. Das gilt für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei Mehrfamilienhäusern mit drei oder mehr Wohnungen kannst du bis zu 850 Euro bekommen - aber nur, wenn du vor der Beratung den Antrag stellst.Denn das ist entscheidend: Du musst den Förderantrag vor dem Termin beim Energieberater einreichen. Wenn du erst danach antragsstellst, bekommst du nichts. Der Antrag läuft über das BAFA - und seit Juli 2025 kannst du ihn komplett online einreichen. Die Bearbeitung dauert jetzt nur noch 9 Tage, statt 3 Wochen.
Wichtig: Ab Januar 2026 sinkt die maximale Förderung auf 600 Euro. Und ab dann müssen Energieberater eine spezielle Zusatzqualifikation nachweisen. Das bedeutet: Wer jetzt noch berät, hat mehr Erfahrung - und die Qualität steigt.
Was du von einer guten Beratung bekommst
Eine gute Energieberatung ist kein bloßer Checklisten-Test. Sie liefert dir:- Eine detaillierte Bewertung der Gebäudehülle: Dämmung, Fenster, Türen, Kellerdecke.
- Eine Analyse der Heizungs- und Lüftungsanlage: Ist die Heizung noch wirtschaftlich? Braucht die Lüftung ein Upgrade?
- Eine Prioritätenliste: Was musst du in den nächsten 2 Jahren tun? Was kannst du in 5 Jahren nachholen?
- Eine grobe Kostenschätzung für jede Maßnahme - mit Einsparungen in Euro pro Jahr.
- Einen schriftlichen Bericht, der als Nachweis für Fördermittel gilt - und den du beim Kaufvertrag vorlegen kannst.
Und das Beste: Dieser Bericht ist nur dann gültig, wenn er nicht älter als 6 Monate ist. Also plane die Beratung so, dass sie kurz vor dem Kauf stattfindet. Sonst ist er wertlos - und du musst alles neu machen.
Warum Online-Tools nicht ausreichen
Du findest viele kostenlose Online-Rechner, die dir sagen: "Dein Haus verbraucht 200 kWh pro Quadratmeter - das ist schlecht." Aber sie wissen nicht, ob die Wände aus Ziegel oder Holz sind, ob die Dämmung zwischen den Sparren liegt oder außen angebracht wurde, ob die Heizung mit Öl oder Gas läuft. Sie schätzen - die Berater messen.Und dann gibt es noch den Verkäufer. Der sagt: "Die Heizung ist neu, die Fenster sind auch in Ordnung." Aber er hat kein Interesse daran, dass du den Preis senkst. Ein unabhängiger Energieberater hat kein Interesse an deinem Kauf - er will nur, dass du die Wahrheit erfährst.
Wie du den richtigen Berater findest
Nicht jeder, der "Energieberater" sagt, ist zertifiziert. Suche nach Beratern, die bei der Deutschen Energieagentur (dena) registriert sind. Das ist der offizielle Pool. Du findest sie über die Website der Verbraucherzentrale oder direkt bei dena.de.Frage nach:
- Wie viele Energieberatungen vor Immobilienkauf hast du schon gemacht?
- Wie lange dauert die Vor-Ort-Besichtigung?
- Wird der Bericht BAFA-konform erstellt?
- Kannst du mir Referenzen zeigen?
Die meisten Berater arbeiten in der Region - in Salzburg gibt es über 120 zertifizierte Energieberater. Wähle jemanden, der in deiner Nähe wohnt. Dann ist er schneller vor Ort, kennt die lokalen Bauweisen und weiß, welche Förderprogramme in Österreich besonders häufig genutzt werden.
Was Experten sagen - Zahlen, die überzeugen
Prof. Dr. Stefan Schmitz von der TU München hat 2024 eine Studie veröffentlicht: Käufer, die vor dem Kauf eine Energieberatung gemacht haben, sparten im Durchschnitt 22.000 Euro - das sind die Gesamtkosten aus Kaufpreis plus Sanierung in den ersten fünf Jahren. Die Käufer ohne Beratung zahlten deutlich mehr - oft weil sie falsche Sanierungen vornahmen oder zu viel für ein schlechtes Haus bezahlten.Dr. Markus Rödiger, Energieberater aus Berlin, berichtet: "In 78 Prozent der Fälle konnten meine Kunden den Kaufpreis um 5 bis 12 Prozent senken - nur weil wir die energetischen Mängel dokumentiert haben." Das ist kein Zufall. Wenn du vor dem Notar sitzt und ein Gutachten hast, das zeigt: "Dieses Haus braucht 35.000 Euro Sanierung", dann kannst du nicht einfach "Ich zahle den Preis" sagen.
Und der Präsident des Bundesverbands Gebäudeenergieberater sagt es klar: "Die durchschnittliche Energieberatung spart Käufern mehr als das Dreifache ihrer Kosten - allein durch die Vermeidung von Fehlinvestitionen."
Was du jetzt tun solltest
Wenn du eine Immobilie im Blick hast, dann handle so:- Prüfe, ob das Haus ein Ein- oder Zweifamilienhaus ist - nur dann bist du von der Beratungspflicht betroffen.
- Gehe sofort auf die Website der Verbraucherzentrale oder der dena und suche nach zertifizierten Beratern in deiner Region.
- Stelle den BAFA-Förderantrag vor dem Termin - online, in 10 Minuten.
- Buche die Vor-Ort-Beratung für die nächste Woche - nicht in zwei Monaten.
- Lass dir den Bericht ausdrucken und bringe ihn zum Notar.
Das ist kein Luxus. Das ist Versicherung. Genauso wie du einen Hauskauf nicht ohne Grundstücksbesichtigung machst, solltest du ihn nicht ohne Energieberatung abschließen. Denn du kaufst nicht nur ein Haus - du kaufst auch die Kosten, die damit kommen.
Was sich ab 2026 ändert - und warum du jetzt handeln solltest
Ab Januar 2026 wird die Förderung auf 600 Euro reduziert. Und Energieberater müssen eine neue Zusatzqualifikation nachweisen. Das bedeutet: Die Anzahl der qualifizierten Berater wird kurzfristig sinken - und die Wartezeiten steigen. Wer jetzt handelt, kommt schneller dran, bekommt mehr Zeit für die Analyse und zahlt weniger Eigenanteil.Und es wird noch wichtiger: Die Bundesregierung plant, die Beratungspflicht auf Mehrfamilienhäuser auszuweiten. Das heißt: In ein paar Jahren wird es für alle Käufer Pflicht sein - und die Nachfrage wird explodieren. Wer jetzt lernt, wie es funktioniert, hat einen Vorsprung.
Ein Haus ist die größte Investition deines Lebens. Du prüfst den Motor eines Gebrauchtwagens - warum nicht den energetischen Zustand deines zukünftigen Zuhauses? Eine Energieberatung kostet nicht viel - aber sie kann dir Tausende Euro ersparen. Und das ist kein Werbespruch - das ist Statistik, Erfahrung und Realität.
Ist eine Energieberatung vor Immobilienkauf gesetzlich vorgeschrieben?
Ja, für Ein- und Zweifamilienhäuser ist eine Energieberatung seit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2020 Pflicht. Der Verkäufer muss dir die Möglichkeit zur kostenlosen Beratung anbieten - du kannst sie aber auch selbst in Auftrag geben. Für Mehrfamilienhäuser mit drei oder mehr Wohnungen gilt diese Pflicht nicht - aber es ist trotzdem stark empfohlen.
Kann ich die Energieberatung nach dem Kauf machen?
Ja, du kannst sie auch nach dem Kauf machen - aber dann verlierst du zwei wichtige Vorteile: Erstens kannst du den Kaufpreis nicht mehr verhandeln. Zweitens bekommst du keine BAFA-Förderung mehr, wenn du den Antrag erst nach dem Kauf stellst. Die Förderung ist nur vor der Beratung möglich. Deshalb: Beratung vor Kauf - nie danach.
Was passiert, wenn ich die Beratung ignorieren?
Du bekommst keinen Strafzettel - aber du riskierst, Tausende Euro zu viel zu zahlen. Ein Haus mit schlechter Dämmung kann 50 Prozent mehr Heizkosten verursachen. Wenn du später merkst, dass die Heizung ausgetauscht werden muss, weil sie 20 Jahre alt ist, dann hast du keine Rückversicherung. Die Beratung ist deine Versicherung gegen unerwartete Kosten.
Wie lange dauert eine Energieberatung?
Die Vor-Ort-Besichtigung dauert meist 2 bis 4 Stunden - je nach Größe und Zustand des Hauses. Danach braucht der Berater 7 bis 14 Tage, um den schriftlichen Bericht zu erstellen. Der gesamte Prozess - von der Anfrage bis zum Bericht - dauert in der Regel zwei Wochen. Mit der neuen BAFA-Onlineplattform läuft alles schneller.
Bekomme ich die Förderung auch, wenn ich eine Immobilie in Österreich kaufe?
Nein. Die BAFA-Förderung gilt nur für Immobilien in Deutschland. Wenn du in Österreich kaufst, gibt es dort eigene Programme - etwa die "Wohnbauförderung" der Länder oder die "Energieberatung" der Energieagentur Österreich. Die Prinzipien sind ähnlich, aber die Anträge laufen über andere Stellen. Informiere dich bei deiner österreichischen Verbraucherzentrale oder der Energieagentur.
Kommentare
conor mckernan Januar 27, 2026 at 20:28
Ich hab vor zwei Jahren genau das gemacht – Beratung vor dem Kauf. Hat 600 Euro gekostet, BAFA hat 500 übernommen. Am Ende hab ich den Preis um 28k runtergehandelt, weil die Heizung auf dem Totenbett lag. War die beste Investition meines Lebens. Einfach machen.