Wie lange dauert es, bis Ihre neue Wärmepumpe oder Ihre Photovoltaikanlage sich selbst bezahlt macht? Viele Hausbesitzer in Deutschland fragen sich das, wenn sie über eine Sanierung nachdenken. Die Antwort ist nicht einfach. Es hängt von vielen Faktoren ab: Wie teuer ist die Anlage? Wie hoch sind Ihre aktuellen Heizkosten? Haben Sie Förderung bekommen? Und wo genau wohnen Sie? Ein Energieeinsparungsrechner hilft, diese Zahlen zusammenzufassen - und zeigt Ihnen, ob sich die Investition wirklich lohnt.
Wie berechnet man die Amortisationszeit?
Die Amortisationszeit ist die Zeit, die benötigt wird, bis die Einsparungen und Einnahmen die Anschaffungskosten vollständig ausgleichen. Kein Geheimnis, aber oft falsch gerechnet. Die Formel ist einfach:
Amortisationszeit (in Jahren) = (Investitionskosten - Förderung) / Jährliche Einsparungen
Beispiel: Sie investieren 30.000 Euro in eine Wärmepumpe, bekommen 18.000 Euro Förderung, also bleiben 12.000 Euro Netto-Investition. Ihre alten Heizkosten lagen bei 2.400 Euro pro Jahr, mit der neuen Wärmepumpe zahlen Sie nur noch 1.500 Euro. Das ergibt eine jährliche Einsparung von 900 Euro. 12.000 geteilt durch 900 ergibt 13,3 Jahre. Die Anlage amortisiert sich also nach etwas über 13 Jahren.
Doch hier liegt der Haken: Viele vergessen, dass die Einsparungen nicht statisch sind. Strompreise steigen. Heizöl wird teurer. Die Förderung ist oft nur einmalig. Und die Lebensdauer der Anlage? Die liegt bei Wärmepumpen oft bei 25 bis 30 Jahren. Nach der Amortisation verdienen Sie also noch 12 bis 17 Jahre lang Geld - ohne weitere Kosten.
Wärmepumpe: Wie lange bis zur Rendite?
Luft-Wasser-Wärmepumpen kosten zwischen 18.000 und 35.000 Euro, Sole-Wasser-Systeme sogar 30.000 bis 45.000 Euro. Die Amortisationszeit liegt je nach System zwischen 10 und 18 Jahren. Aber das ist nur die Grundlage.
- Ein Haus mit schlechter Dämmung braucht mehr Energie - die Wärmepumpe läuft länger, die Einsparungen bleiben niedrig.
- Ein gut gedämmtes Haus hingegen senkt den Energiebedarf um bis zu 40 Prozent. Das kann die Amortisationszeit von 15 auf 9 Jahre drücken.
- Die Förderung ist entscheidend. Mit maximal 70 Prozent Förderung (z. B. über das BAFA-Programm) kann sich die Amortisationszeit auf 8 bis 10 Jahre verkürzen.
- Betriebskosten einer Wärmepumpe liegen bei 1.200 bis 1.800 Euro pro Jahr - das ist rund 41 Prozent günstiger als eine Gasheizung.
Ein konkretes Rechenbeispiel aus Leipzig: Ein Einfamilienhaus aus den 80ern mit schlechter Fassadendämmung hat jährlich 2.800 Euro Heizkosten. Nach Sanierung der Fassade und Einbau einer Luft-Wasser-Wärmepumpe sinken die Kosten auf 1.300 Euro. Mit 18.000 Euro Förderung und 28.000 Euro Investition ergibt das eine Netto-Investition von 10.000 Euro und jährliche Einsparungen von 1.500 Euro. Die Amortisation dauert nur 6,7 Jahre. In einem Haus ohne Dämmung wäre es 12 Jahre gewesen.
Photovoltaik: Eigenverbrauch ist der Schlüssel
Photovoltaik-Anlagen auf Einfamilienhäusern mit 5 bis 10 kWp kosten zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Die Amortisationszeit liegt traditionell zwischen 9 und 13 Jahren. Aber: Ohne Speicher ist die Wirtschaftlichkeit deutlich schlechter.
- Ohne Speicher: Sie verkaufen den überschüssigen Strom. Die Einspeisevergütung liegt bei etwa 8 Cent pro kWh. Die jährliche Einsparung liegt bei 500 bis 700 Euro.
- Mit Speicher: Sie nutzen den Solarstrom direkt. Der Eigenverbrauch steigt von 30 auf bis zu 70 Prozent. Die Einsparung steigt auf 900 bis 1.100 Euro pro Jahr.
Ein Beispiel: Eine 8 kWp-Anlage kostet 20.000 Euro. Ohne Förderung (die heute kaum noch verfügbar ist) und ohne Speicher: Jährliche Einsparung von 600 Euro. Amortisation: 33 Jahre. Mit einem 10 kWh-Speicher: Jährliche Einsparung von 1.000 Euro. Amortisation: 20 Jahre. Mit einer Wärmepumpe, die den Solarstrom nutzt: Die jährliche Einsparung steigt auf 1.400 Euro. Die Amortisationszeit sinkt auf 14 Jahre.
Und noch ein wichtiger Punkt: Die Sonneneinstrahlung in Deutschland variiert stark. In Süddeutschland (z. B. München) erzeugt ein kWp Solarstromanlage etwa 1.200 kWh pro Jahr. In Norddeutschland (z. B. Hamburg) nur 900 kWh. Ein Süddach in Bayern amortisiert sich nach 9 Jahren, ein Norddach in Schleswig-Holstein nach 17 Jahren.
Die Kombination macht’s: Wärmepumpe + Photovoltaik
Die wirkliche Revolution passiert, wenn Wärmepumpe und Photovoltaik zusammenkommen. Die PV-Anlage liefert den Strom, den die Wärmepumpe braucht. Das ist kein Traum - das ist Realität in vielen neuen Sanierungen.
Ohne PV: Wärmepumpe verbraucht 1.500 Euro Strom pro Jahr. Mit PV: Sie erzeugen 1.100 Euro davon selbst. Die jährliche Einsparung steigt von 900 auf 1.300 Euro. Das verkürzt die Amortisationszeit von 13 auf 9 Jahre.
Wenn Sie zusätzlich einen Stromspeicher einbauen, können Sie noch mehr Solarstrom nutzen - besonders in den Übergangszeiten. Dann sinkt die Amortisationszeit auf 8 bis 10 Jahre. Das ist schneller als die meisten Kredite laufen.
Online-Rechner: Kostenlose Tools für Ihre Berechnung
Sie brauchen keinen Excel-Tisch. Es gibt mehrere verlässliche Online-Rechner, die genau die Daten abfragen, die Sie brauchen:
- Enter.de: Spezialisiert auf Wärmepumpen. Fragt nach Investition, Förderung, altem Heizsystem und Heizkosten. Gibt sofort die Amortisationszeit aus.
- Gruenes.haus: Rechnet für Photovoltaik. Berücksichtigt Dachausrichtung, Neigung, Standort und Speicher.
- Solaranlage-ratgeber.de: Kombiniert PV und Wärmepumpe. Zeigt, wie sich die Einsparungen über 20 Jahre entwickeln.
- KfW-Sanierungsrechner: Zeigt, welche Förderung Sie für Ihre Sanierungsmaßnahme bekommen - inklusive KfW-Kredit mit niedrigen Zinsen.
- HTW Berlin - Unabhängigkeitsrechner: Berechnet, wie hoch Ihr Eigenverbrauchsanteil ist. Ideal, wenn Sie wirklich unabhängig von Strompreisen werden wollen.
Alle diese Tools sind kostenlos. Geben Sie einfach Ihre Daten ein - und lassen Sie sich überraschen. Viele Hausbesitzer merken erst dann, wie viel sie wirklich sparen können.
Was andere Faktoren beeinflussen
Die Amortisationszeit ist kein fester Wert. Sie verändert sich mit:
- Strompreisentwicklung: Wenn der Strompreis steigt, steigt auch Ihre Einsparung. In den letzten Jahren stieg der Preis um durchschnittlich 4 Prozent pro Jahr. Das beschleunigt die Amortisation.
- Inflation: Die Kosten für Wartung, Reparatur und Versicherung steigen. Aber die Einsparungen steigen schneller - weil Sie weniger Strom kaufen.
- Alter des Hauses: Ein Haus aus den 60ern mit Einzellüftung und Holzfenstern braucht viel mehr Energie als ein Haus aus den 90ern mit Doppelverglasung. Sanieren Sie zuerst die Dämmung - dann kommt die Wärmepumpe.
- Lebensdauer von Komponenten: PV-Module halten 25-30 Jahre. Speicher nur 10-15. Planen Sie den Austausch mit ein. Ein neuer Speicher nach 12 Jahren kostet 5.000 bis 8.000 Euro - aber die Einsparungen bleiben weiter hoch.
Was kommt nach der Amortisation?
Die meisten Menschen denken: „Nach 13 Jahren ist es bezahlt - dann ist Schluss.“ Falsch. Nach der Amortisation ist der Gewinn erst richtig da.
Im Beispiel von oben: Nach 13 Jahren ist die Wärmepumpe abbezahlt. Aber sie läuft noch 15 Jahre weiter. Jedes Jahr sparen Sie 900 Euro - das sind 13.500 Euro zusätzlich. Kein Zins, keine Rendite - einfach Geld, das Sie nicht ausgeben müssen.
Bei einer PV-Anlage mit Speicher und Wärmepumpe: Nach 10 Jahren amortisiert. Dann haben Sie noch 15 bis 20 Jahre Zeit, Strom kostenlos zu erzeugen. Die Gesamtgewinne über die Lebensdauer liegen oft bei 15.000 bis 20.000 Euro - mehr als die meisten Sparbücher in 20 Jahren bringen.
Das ist kein Investment. Das ist eine Versicherung gegen steigende Energiekosten. Und gegen die Unsicherheit der Märkte.
Was tun, wenn die Amortisationszeit zu lang erscheint?
Wenn Ihr Rechner sagt: „18 Jahre“ - dann ist nicht alles verloren. Hier sind drei Schritte, die wirklich helfen:
- Sanieren Sie zuerst die Dämmung: Dach, Fassade, Kellerdecke. Ein gut gedämmtes Haus braucht weniger Energie - das senkt die Leistung der Wärmepumpe und damit die Kosten.
- Suchen Sie die Förderung: BAFA, KfW, Kommunen - oft gibt es noch unbekannte Zuschüsse. Ein Rechner wie der KfW-Sanierungsrechner zeigt, was für Sie verfügbar ist.
- Planen Sie Schritt für Schritt: Nicht alles auf einmal. Zuerst PV-Anlage mit Speicher. Dann Wärmepumpe. Dann Dämmung. So verteilen Sie die Kosten und nutzen die Einsparungen schon früher.
Ein Haus in Leipzig, das 2025 mit einer 7 kWp PV-Anlage und einem 10 kWh-Speicher startet, spart bereits 1.100 Euro im Jahr. Mit dieser Ersparnis kann man später die Wärmepumpe finanzieren - ohne neuen Kredit.