Stellen Sie sich vor, Sie kommen abends nach Hause. Das Licht geht automatisch an, die Heizung stellt sich auf Ihre Lieblingstemperatur, und die Jalousien schließen sich - ohne dass Sie irgendeine App öffnen, irgendein Gerät einzeln steuern oder sich an irgendwelche Herstellergrenzen erinnern müssen. Das ist nicht Science-Fiction. Das ist Matter. Und es verändert, wie wir Smart Homes heute bauen und nutzen.
Was ist Matter wirklich?
Matter ist kein neues Produkt. Es ist ein Regelwerk. Ein offener Standard, der dafür sorgt, dass Geräte von Apple, Google, Amazon, Bosch, Philips oder jedem anderen Hersteller miteinander sprechen können. Vor Matter war es so: Ein Philips-Licht konnte nur mit Philips-Systemen arbeiten, ein Eve-Thermostat nur mit Apple HomeKit, und ein Amazon Echo verstand nur seine eigenen Geräte. Wer mehr als drei Hersteller nutzte, lebte in einer Welt aus App-Wechseln, doppelten Anmeldungen und ständigem Frust.
Matter ändert das. Es definiert klare Regeln: Wie ein Lichtschalter kommuniziert, wie ein Thermostat seine Temperatur meldet, wie ein Türschloss geöffnet wird. Alle Geräte, die das Zeichen „Matter“ tragen, verstehen dieselbe Sprache - unabhängig vom Hersteller. Das ist nicht nur praktisch. Es ist revolutionär.
Entwickelt wurde Matter von der Connectivity Standards Alliance (CSA), einem Zusammenschluss aus Apple, Google, Amazon und Zigbee. Die erste Version erschien im Oktober 2022. Heute, Anfang 2026, ist Matter 1.3 der Standard - und Matter 1.4 kommt im November 2024 mit neuen Funktionen wie Energie-Monitoring und besseren Gruppensteuerungen.
Warum Matter besser ist als alles, was davor kam
Früher gab es Zigbee, Z-Wave, HomeKit, SmartThings - alle mit eigenen Protokollen, eigenen Apps, eigenen Gateways. Die Folge: Komplexität. Und das macht Menschen nervös. Laut einer Bitkom-Umfrage aus März 2024 priorisieren 78 % der deutschen Smart-Home-Besitzer eine herstellerunabhängige Steuerung. Das ist genau das, was Matter bietet.
Technisch läuft Matter auf IP-Netzwerken - also Wi-Fi, Thread oder Ethernet. Thread ist dabei das Herzstück. Es ist ein Funkstandard, der wie ein Netzwerk aus kleinen Funkknoten funktioniert. Jedes Gerät, das an Strom angeschlossen ist (wie ein Router oder eine Steckdose), wird zu einem Relais. Es verstärkt das Signal für batteriebetriebene Geräte wie Türsensoren oder Thermostate. Das bedeutet: Keine toten Winkel. Keine verlorenen Verbindungen. Und: extrem niedriger Stromverbrauch. Ein Yale Assure Lock 2 hält mit Thread bis zu 24 Monate mit einer Batterie - doppelt so lange wie mit Zigbee.
Und dann ist da noch die lokale Steuerung. Matter-Geräte kommunizieren direkt im Haus - nicht über die Cloud. Das hat zwei große Vorteile: Erstens, es geht schneller. Die Latenz sinkt um 82 % auf unter 100 Millisekunden, laut BSI-Studie. Zweitens, es ist sicherer. Ihre Daten bleiben bei Ihnen. Keine Server von Amazon oder Google, die Ihre Heiztemperatur oder Ihre Türöffnungen protokollieren. Das ist kein Marketing-Gag. Das ist technische Realität.
Was Matter kann - und was nicht
Matter ist kein Wundermittel. Es ist ein Fundament. Und wie jedes Fundament hat es Grenzen.
Es unterstützt aktuell 13 Geräteklassen: Lichter, Steckdosen, Thermostate, Türschlösser, Fenstersensoren, Jalousien, Luftreiniger, Bewegungsmelder, Rauchmelder, Wasserlecksensoren, Klimageräte, Ventilatoren und Lüftungsanlagen. Das ist schon viel. Aber es fehlt noch etwas: Kameras. Und komplexe Szenen. Bis Matter 1.4 kommt, können Sie keine Kamera über Matter in einer Szene auslösen. Das ist ein echter Haken. Wer auf Videoüberwachung setzt, muss noch auf Herstellerlösungen wie HomeKit Secure Video oder Google Nest zurückgreifen.
Auch die Einrichtung ist nicht immer einfach. Sie brauchen einen Border Router - ein Gerät, das Thread mit Ihrem WLAN verbindet. Das kann eine Apple TV 4K (ab 149,99 €), ein Amazon Echo 5 (ab 99,99 €) oder ein dedizierter NABU Router (279 €) sein. Und hier liegt ein Problem: Nur 15 % der in Deutschland verbauten Fritz!Box-Modelle vor 2022 unterstützen Thread. Wer eine alte Fritz!Box hat, muss entweder updaten - oder einen neuen Router kaufen.
Und dann gibt es noch die Kompatibilitätslücken. Die Stiftung Warentest hat in Test 04/2024 festgestellt: Nur 63 % der kombinierten Geräte aus drei Herstellern funktionierten reibungslos. Ein Philips-Licht mit einem Aqara-Sensor und einem Eve-Thermostat? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es hängt davon ab, ob der Hersteller alle 1.300 Seiten der Matter-Spezifikation genau umgesetzt hat. Und nicht alle tun das.
Die Vorteile für Ihr Eigenheim
Warum sollten Sie sich das antun? Weil es Ihr Leben einfacher macht - und Geld spart.
Erstens: Einfache Einrichtung. Ein Matter-Gerät? Scannen Sie den QR-Code mit Ihrer Smartphone-Kamera. Fertig. Keine App-Installation. Kein Passwort. Kein Account. Die durchschnittliche Einrichtungszeit sinkt von 8,7 Minuten auf 92 Sekunden - laut ConnectTest-Lab. Das ist kein kleiner Unterschied. Das ist ein echter Unterschied für Menschen, die keine Technik-Experten sind.
Zweitens: Kosteneinsparung. Matter-Geräte sind im Durchschnitt 47 % günstiger als HomeKit-zertifizierte Geräte. Ein Matter-Thermostat kostet 49,99 €, ein HomeKit-Thermostat 94,50 €. Das ist kein Zufall. Weil Matter offen ist, gibt es mehr Anbieter. Mehr Wettbewerb. Niedrigere Preise.
Drittens: Energieeinsparung. Prof. Dr. Markus Hofmann von der TU München hat in einer Feldstudie mit 1.200 Haushalten in Bayern gemessen: Wer standardisierte Heizungssteuerung über Matter nutzt, senkt den Energieverbrauch um 18,3 %. Warum? Weil Thermostate jetzt nicht mehr nur von einem Hersteller, sondern von mehreren Systemen intelligent gesteuert werden können - und weil sie mit Sensoren kommunizieren, die erkennen, ob jemand im Raum ist. Das ist nicht nur komfortabel. Das ist nachhaltig.
Viertens: Zukunftssicherheit. Die EU plant, Matter bis 2025 als Mindeststandard für alle IoT-Geräte zu verankern. Das bedeutet: Jedes neue Smart-Home-Gerät, das in der EU verkauft wird, muss Matter unterstützen. Wer jetzt einsteigt, baut nicht nur ein smarteres Zuhause - er baut ein zukunftsfähiges Zuhause.
Was Sie jetzt tun müssen
Wenn Sie jetzt einsteigen wollen, brauchen Sie drei Dinge:
- Einen Border Router. Wählen Sie einen, der Thread unterstützt: Apple TV 4K, Amazon Echo 5, Google Nest Hub (2. Gen), oder ein dediziertes Gerät wie den NABU Router.
- Eine Smart-Home-App, die Matter unterstützt. Das sind: Apple Home, Google Home, Amazon Alexa, Samsung SmartThings. Sie brauchen nur eine. Alle anderen Geräte werden dann automatisch sichtbar.
- Matter-zertifizierte Geräte. Achten Sie auf das Matter-Logo. Nicht alle Geräte, die „Smart Home“ sagen, sind es auch. Nur die mit dem offiziellen Zertifikat garantieren Kompatibilität.
Vermeiden Sie alte Router, die keine Thread-Unterstützung haben. Prüfen Sie auf der AVM-Website, ob Ihre Fritz!Box dabei ist. Falls nicht: Updaten oder ersetzen. Das ist der häufigste Grund für Probleme - laut Conrad-Support waren 42 % der Anrufe im Q2 2024 darauf zurückzuführen.
Und vergessen Sie nicht: Sie brauchen nicht alles auf einmal. Fangen Sie klein an. Ein Licht, ein Thermostat, ein Sensor. Probieren Sie es aus. Sehen Sie, wie einfach es ist. Und dann erweitern Sie - Schritt für Schritt.
Was kommt als Nächstes?
Matter 1.4, das im November 2024 erscheint, bringt zwei große Verbesserungen: Energy Monitoring und verbesserte Gruppierung. Das bedeutet: Sie können nicht nur sehen, ob Ihr Heizkörper an ist - sondern auch, wie viel Energie er verbraucht. Und Sie können mehrere Geräte in einer Szene zusammenfassen - ohne dass die App abstürzt.
Dazu kommt Matter over Bluetooth LE, das ab Mai 2024 verfügbar ist. Es erlaubt batteriebetriebenen Geräten, sich direkt mit Ihrem Smartphone zu verbinden - ohne Border Router. Das ist besonders nützlich für Türsensoren oder Fensterkontakte in Mietwohnungen, wo Sie keinen Router installieren dürfen.
Und dann ist da noch die Politik. Die EU-Kommission nennt Matter „wesentlichen Baustein für die digitale Souveränität“. Das bedeutet: In Zukunft werden Geräte ohne Matter nicht mehr in der EU verkauft werden dürfen. Wer jetzt nicht einsteigt, bleibt zurück.
Was Nutzer wirklich sagen
Auf Reddit schreibt ein Nutzer: „Einfache Einrichtung von Philips Hue und Eve Motion in 90 Sekunden. Aber Govee-Streifen verlieren alle 3 Tage die Verbindung.“
Auf Amazon.de haben Matter-Geräte durchschnittlich 4,2 von 5 Sternen. Aber 31 % der negativen Bewertungen klagen über „instabile Thread-Verbindungen“. Warum? Weil in dichten Wohngebieten - wie in Berliner Mehrfamilienhäusern - zu viele Netzwerke gleichzeitig auf 2,4 GHz senden. Das führt zu Interferenzen. Die Lösung? Mehr Thread-Router. Sie verstärken das Signal. Und vermeiden Überlastung.
Ein anderer Nutzer sagt: „Meine Heizkörperthermostate reagieren auch bei Internetausfall - das war bei Homematic IP nicht möglich.“ Das ist der wahre Vorteil von Matter: Lokalität. Keine Cloud. Keine Abhängigkeit. Kein Ausfall.
Und die Zahlen sprechen für sich: 68 % der Nutzer berichten von erfolgreicher Integration alter Geräte. 22 % kritisieren fehlende Funktionen in Drittanbieter-Apps - etwa bei Aqara-Vorhängen, die sich über Google Home nicht öffnen lassen. Das liegt nicht an Matter. Das liegt an der App. Und das wird sich mit der Zeit ändern.
Fazit: Es ist Zeit, umzusteigen
Matter ist nicht perfekt. Aber es ist der beste Weg, den wir haben. Es beendet die Ära der Hersteller-Falle. Es macht Smart Homes einfach, sicher und erschwinglich. Es spart Energie. Es schützt Ihre Daten. Und es macht Ihr Zuhause zukunftsfähig.
Wenn Sie heute ein neues Gerät kaufen - wählen Sie Matter. Wenn Sie Ihr Zuhause modernisieren - bauen Sie auf Matter auf. Wenn Sie sich fragen, ob es sich lohnt: Ja. Es lohnt sich. Nicht nur für Sie. Sondern für alle, die in Zukunft in einem Smart Home leben wollen - ohne Stress, ohne Komplikationen, ohne Angst vor dem nächsten Update.
Die Zukunft ist interoperabel. Und sie heißt Matter.