Ein Altbau zu sanieren, klingt romantisch - alte Mauern, hohe Decken, Parkettböden. Aber sobald man mit der Planung beginnt, wird schnell klar: Diese Liebe hat ihren Preis. Vielleicht haben Sie schon mal gehört, dass eine Sanierung zwischen 400 und 600 Euro pro Quadratmeter kostet. Klingt überschaubar. Doch die Realität ist anders. In Leipzig, wo ich lebe, habe ich gesehen, wie ein Haus aus den 1950ern mit einem einfachen Dämmungsauftrag schon 1.200 Euro pro Quadratmeter verschlang - nur weil die Kellerdecke feucht war, die Fenster nicht mehr dicht waren und die Elektroinstallation aus den 70ern plötzlich nicht mehr sicher war. Die Zahlen, die Sie online finden, sind oft Durchschnittswerte. Aber in der Praxis zählt nicht der Durchschnitt. Zählt, was in Ihrem Haus wirklich kaputt ist.
Was kostet eine Altbau-Sanierung wirklich?
Es gibt keine einzige Zahl, die passt. Aber es gibt klare Bereiche, die Ihnen helfen, ein realistisches Bild zu bekommen. Laut der BKI-Baukosten-Gebäude-Altbau 2025, die auf über 600 abgerechneten Projekten basiert, liegen die Kosten für eine umfassende Sanierung zwischen 600 und 2.700 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das ist kein Tippfehler. Es hängt davon ab, was Sie wollen.
- Basis-Sanierung (600-1.200 €/m²): Hier geht es um dringende Reparaturen: Dachdecke undichte, Keller feucht, alte Heizung raus, neue Fenster rein. Die Wände werden gedämmt, aber nicht auf höchstem Niveau. Das ist, was viele machen, wenn sie nicht planen, sondern nur überleben.
- Effizienzhaus 70 (1.200-1.800 €/m²): Jetzt wird’s ernst. Die Fassade wird komplett gedämmt, die Fenster sind dreifachverglast, die Lüftung ist mechanisch. Die Heizung ist ein moderner Gas-Brennwertkessel oder eine Luft-Wärmepumpe. Die Heizkosten sinken um 50-60 %.
- Effizienzhaus 55 (1.900-2.400 €/m²): Das ist der Standard, für den die meisten Fördermittel fließen. Dach, Wände, Kellerdecke - alles auf Wärmedämmung getrimmt. Die Heizung ist meist eine Wärmepumpe, die Solarthermie ist integriert. Bei einem 150 m²-Haus rechnen Sie hier mit 285.000 bis 360.000 Euro Gesamtkosten.
- Effizienzhaus 40 (2.200-2.700 €/m²): Fast Passivhaus-Niveau. Hier wird alles auf minimale Wärmeverluste optimiert: Dämmungsdicken von 30 cm und mehr, Fenster mit U-Wert unter 0,8, Lüftungsanlagen mit 90 % Wärmerückgewinnung. Das ist kein Normalfall. Das ist eine Investition für Leute, die langfristig denken - und die Förderung nutzen.
Ein Haus aus dem Jahr 1968 mit 200 m² Wohnfläche, das Renewa.de als Referenzprojekt veröffentlicht hat, kostete 314.000 Euro - und das nur, weil es nach Effizienzhaus 55 saniert wurde. Mit 110.000 Euro Förderung blieben 204.000 Euro Eigenanteil. Das ist kein Zufall. Das ist Standard.
Was kostet was? Die konkreten Einzelposten
Wenn Sie sich nicht auf Gesamtkosten verlassen wollen, dann schauen Sie sich die Einzelposten an. Hier sind echte Praxiswerte aus der BKI-Datenbank und aus abgerechneten Projekten in Sachsen und Thüringen:
| Maßnahme | Kosten pro Einheit | Hinweise |
|---|---|---|
| Fassadendämmung (WDVS) | 100-200 €/m² | Abhängig von der Oberfläche und der Dämmstoffdicke |
| Vorhangfassade | 150-200 €/m² | Meist bei denkmalgeschützten Fassaden notwendig |
| Dachdämmung | 100-150 €/m² | Vom Dachboden aus oder von außen |
| Kellerdeckendämmung | 30-90 €/m² | Meist von unten, mit Holzrahmen und Dämmplatten |
| Fenstererneuerung (3-fach) | 500-800 €/Stück | Preis pro Fenster, inkl. Einbau |
| Hauseingangstür (isoliert) | 2.000-8.000 € | Je nach Material und Sicherheitsklasse |
| Neue Heizungsanlage (Wärmepumpe) | 15.000-40.000 € | Abhängig von Größe und Typ (Luft/Wasser, Erdwärme) |
| Heizkörper (neu, 12 Stück) | 500-800 €/Stück | Modern, niederig, mit Thermostat |
| Elektroinstallation (komplett) | 70-170 €/m² | Neue Leitungen, Sicherungen, Steckdosen |
| Trockenlegung Keller | 300-500 €/m² | Bei Feuchtigkeit durch kapillare Aufstiege |
| Rissinjektion (3 m Länge) | 500-1.000 € | Meist im Mauerwerk, bei Altbauten häufig |
| Wasserleitungen (komplett) | 20-40 €/m | Abhängig von Zugänglichkeit und Material |
Einige dieser Kosten überraschen: Wer denkt, dass ein Fenster 800 Euro kostet? Aber das ist real. Eine alte Holz-Einzelverglasung aus den 60ern ist nicht nur kalt - sie ist auch unsicher. Und die neue Tür? 8.000 Euro klingt viel, aber wenn sie aus massivem Holz mit Sicherheitsverglasung und elektronischem Schließsystem kommt, dann ist das kein Luxus. Das ist Sicherheit.
Warum die Kosten so stark schwanken
Ein Haus aus 1955 ist nicht wie ein Haus aus 1968. Und ein Haus aus 1920 ist wieder etwas anderes. Der Zustand der Bausubstanz ist der entscheidende Faktor. Wer in den 80ern nur einen neuen Kamin eingebaut hat, aber nie die Dämmung angefasst hat, hat ein anderes Problem als jemand, der vor 20 Jahren schon mal eine neue Heizung hatte.
Die größten Überraschungen kommen immer dort, wo man nicht hinsieht:
- Feuchtigkeit im Mauerwerk: Nicht immer sichtbar. Manchmal steigt das Wasser aus dem Boden - und dann wird die ganze Wand nass. Das kostet mehr als nur Dämmung. Das kostet Trockenlegung, Injektion, und manchmal sogar Teilabbruch.
- Asbest und giftige Holzschutzmittel: Vor 1980 wurde das überall verwendet. In Dachbalken, Fußboden, sogar in Farben. Die Entfernung kostet 5.000 bis 20.000 Euro - und das ist kein Bonus. Das ist Pflicht. Und es verlängert die Bauzeit um Monate.
- Denkmalgeschützte Fassaden: Wenn Ihr Haus unter Denkmalschutz steht, dürfen Sie nicht einfach die Fassade dämmen. Sie müssen eine Vorhangfassade bauen, die optisch unsichtbar ist. Das kostet 15-30 % mehr. Und die Genehmigung dauert.
- Zugänglichkeit: Ein Haus mit engen Treppen, keinem Keller, keinem Dachboden? Jede Maßnahme wird teurer. Die Handwerker brauchen mehr Zeit, mehr Ausrüstung, mehr Schutz.
Das ist der Grund, warum manche Sanierungen 60.000 Euro kosten und andere 500.000. Es liegt nicht an der Größe. Es liegt an der Überraschung.
Förderung: Was wirklich fließt
Die meisten Leute denken: „Förderung? Das ist doch nur für Reiche.“ Falsch. Die Förderung ist genau für die gedacht, die es brauchen. KfW-Programme, BAFA-Zuschüsse - sie sind nicht versteckt. Sie sind da. Aber nur, wenn Sie wissen, wie Sie sie abrufen.
Bei einer Sanierung zum Effizienzhaus 55 bekommen Sie typischerweise 30-35 % der Kosten als Zuschuss. Bei Effizienzhaus 40 sogar bis zu 40 %. Das ist kein Kleingeld. Bei einem 300.000-Euro-Projekt sind das 90.000 bis 120.000 Euro. Das ist fast die Hälfte.
Wichtig: Die Förderung wird nur gezahlt, wenn:
- Die Arbeiten von einem zertifizierten Fachbetrieb ausgeführt werden.
- Die Maßnahme von einer ausstellungsberechtigten Person (z. B. Energieberater) bestätigt wird.
- Die Anträge vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.
Ein Fehler, den viele machen: Sie beginnen mit der Dämmung, dann suchen sie die Förderung. Das funktioniert nicht. Die Förderung kommt nicht nachträglich. Sie kommt nur, wenn Sie vorher planen.
Der unsichtbare Puffer: 10 % für das Unerwartete
Ich habe 2024 ein Haus in Halle saniert. Der Kunde hatte 220.000 Euro Budget. Alles war geplant: Dach, Fenster, Heizung, Elektro. Die Kalkulation war perfekt. Dann - am zweiten Tag des Dachausbaus - stellte sich heraus: Die Holzkonstruktion war komplett faul. Nicht nur ein Balken. Der ganze Dachstuhl. 40.000 Euro mehr. Keine Versicherung. Keine Förderung. Nur: das Budget.
Das ist kein Einzelfall. Das ist Standard. Deshalb sagt die BKI-Datenbank: Planen Sie immer mindestens 10 % als Puffer ein. Bei 150.000 Euro Gesamtkosten sind das 15.000 Euro. Bei 300.000 Euro sind das 30.000 Euro. Und das ist kein Luxus. Das ist Überleben.
Warum 10 %? Weil in Altbauten versteckte Schäden die Regel sind - nicht die Ausnahme. Feuchtigkeit, Schimmel, Holzschädlinge, alte Leitungen, versteckte Risse. Die werden erst sichtbar, wenn man anfängt, sie zu öffnen. Und dann ist es zu spät für eine Kostenschätzung. Dann ist es Zeit für eine Notfall-Planung.
Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Sie einen Altbau sanieren wollen, dann machen Sie das nicht mit Google. Machen Sie das mit einer realistischen Kostenschätzung. Hier ist Ihr Plan:
- Erstellen Sie eine Liste aller Sanierungsmaßnahmen: Was muss? Was soll? Was kann warten? Setzen Sie Prioritäten.
- Holen Sie sich die BKI-Kostenkennwerte 2025: Die Datenbank ist online zugänglich. Suchen Sie nach „BKI Baukosten Altbau 2025“. Dort finden Sie Mindest-, Mittel- und Höchstpreise für jede Position.
- Rechnen Sie mit den höchsten Preisen: Nicht mit dem Durchschnitt. Mit dem, was im schlimmsten Fall passiert.
- Planen Sie 10 % Puffer: Das ist Ihr Notgroschen. Legen Sie ihn auf ein separates Konto.
- Schauen Sie sich die Förderung an: KfW, BAFA, Kommunale Förderung. Recherchieren Sie, welche Programme für Ihren Standard gelten. Und beantragen Sie vorher.
- Holen Sie drei Angebote ein: Nicht von drei Handwerkern. Von drei Spezialisten für Altbau. Die wissen, was versteckt ist.
Ein Altbau zu sanieren ist kein Projekt. Es ist ein Lebensabschnitt. Es kostet Geld. Es kostet Zeit. Aber es lohnt sich. Denn nach der Sanierung zahlen Sie nicht mehr für Heizung. Sie zahlen für Komfort. Für Sicherheit. Für Ruhe. Und das ist unbezahlbar.
Kommentare
Hamrnand Heintz Februar 11, 2026 at 08:22
Ich hab schon drei Altbau-Sanierungen erlebt. Jedes Mal war es anders. Nicht wegen der Größe, sondern wegen der versteckten Drecksgeschichten. Der Keller, den man für trocken hielt? War nass bis zur Decke. Die Wände, die man dämmen wollte? Davor musste man Asbest entfernen. Und die Heizung? Die war nicht nur alt, sie war illegal. Keine Zahl auf der Welt kann das vorhersagen. Man muss bereit sein, das Budget zu verdoppeln. Und dann nochmal.