Ein Haus zu renovieren, klingt erstmal spannend. Aber wer schon einmal ein Projekt gestartet hat, weiß: Ohne klare Planung wird es schnell teuer, chaotisch und stressig. Die gute Nachricht? Mit einer durchdachten Renovierungs-Checkliste kannst du das Chaos vermeiden und dein Zuhause effizient, sicher und innerhalb des Budgets verwandeln. In Leipzig haben wir in den letzten Jahren viele Häuser gesehen, die jahrelang nur mit Klebeband und Hoffnung zusammengehalten wurden. Mit der richtigen Vorbereitung wird aus einem Überlebensprojekt ein Traum.
Starte mit der Bestandsaufnahme - nicht mit dem Bohrer
Bevor du auch nur eine Wand anrühst, musst du wissen, was wirklich hinter den Tapeten steckt. Viele Leute überspringen diesen Schritt - und zahlen später doppelt. Eine echte Bestandsaufnahme ist kein schneller Rundgang. Sie ist eine systematische Inspektion, die alle wichtigen Bauteile erfasst.- Dach und Dachkonstruktion: Gibt es undichte Stellen? Sind die Sparren verrottet? Ein kaputtes Dach lässt Wasser in die Wände laufen - und das wird teuer.
- Fassade und Fenster: Risse, Feuchtigkeitsspuren, abgefallener Putz? Fenster aus den 80ern sind oft nicht mehr dicht. Sie verlieren bis zu 30 % der Heizenergie.
- Wände und Dämmung: Ist die Wanddämmung vorhanden? Oder steckt altes Mineralwolle oder gar Asbest in den Wänden? Das muss vor jeder Sanierung geklärt werden.
- Elektrik und Leitungen: Alte Kabel, unsichere Sicherungen, fehlende Fehlerstromschutzschalter? Das ist kein Schönheitsfehler - das ist lebensgefährlich.
- Sanitär und Heizung: Kupferrohre aus den 70ern? Heizkörper, die noch mit Öl laufen? Die meisten Systeme sind nach 25 Jahren veraltet.
- Bodenaufbau: Unter dem Teppich oder Fliesen liegt oft ein feuchter Estrich oder Holzbalken, die von Schimmel befallen sind.
Wenn du unsicher bist: Hol dir einen Sachverständigen. Ein Gutachten kostet zwischen 300 und 800 Euro - aber es verhindert, dass du später 10.000 Euro für versteckte Schäden zahlt.
Die richtige Reihenfolge: Von außen nach innen
Du hast nicht nur ein Haus - du hast eine Schichtkuchen. Jede Schicht hängt von der darunterliegenden ab. Wenn du den Boden neu legst, bevor du das Dach reparierst, wirst du ihn in drei Monaten wieder rausreißen.Die Reihenfolge ist einfach:
- Außenarbeiten: Dach, Fassade, Fenster, Türen. Alles, was das Haus vor Wetter und Kälte schützt, kommt zuerst. Ein warmes Haus ist ein trockenes Haus.
- Technische Installationen: Danach kommen Heizung, Elektrik, Wasser, Abwasser und Lüftung. Alles, was hinter den Wänden liegt, muss jetzt installiert werden - bevor die Wände wieder zu sind.
- Innenausbau: Erst jetzt kommt der Boden, die Tapete, die Einbauküche, die Türen, die Lichtschalter. Jetzt wird’s schön.
Das ist nicht nur logisch - das ist auch günstiger. Wenn du die Elektrik erst nach dem neuen Boden verlegst, musst du den Boden wieder aufbrechen. Und das kostet Zeit, Geld und Nerven.
Budget: Realistisch planen - nicht hoffen
Ein Haus zu renovieren ist kein Shoppingtrip. Es ist ein Investitionsprojekt. Und wie bei jeder Investition: Du musst wissen, wie viel du hast - und wie viel du brauchst.Ein realistisches Budget hat drei Teile:
- Fixkosten: Was du musst machen: Dach, Fenster, Heizung, Elektrik, Wasserleitungen. Diese Punkte sind nicht verhandelbar - sie sind gesetzlich vorgeschrieben oder baulich notwendig.
- Wunsch-Kosten: Was du willst: Neue Küchenfronten, Fußbodenheizung, Smart-Home-Systeme. Diese Punkte sind optional - aber sie können den Alltag viel angenehmer machen.
- Puffer: Mindestens 15 % des Gesamtbudgets. Immer. Denn es gibt immer etwas, das du nicht gesehen hast. Ein kaputter Balken. Ein verstopfter Abfluss. Ein Handwerker, der krank wird.
Ein Haus aus den 70ern, das komplett saniert wird, kostet in Leipzig zwischen 1.200 und 1.800 Euro pro Quadratmeter. Das klingt viel - aber es ist der Preis für ein Haus, das 30 Jahre hält. Wer spart, zahlt später mehr.
Planen, planen, planen - nicht nur mal eben
Du brauchst nicht nur eine Liste. Du brauchst Pläne.- Raumaufteilungsplan: Zeichne auf, wo Wände wegkommen, wo neue Türen kommen, wo die Küche steht. Nutze eine einfache App wie SketchUp oder lass es von einem Architekten machen. Ein Meter falsch geplant, und du hast ein Zimmer, das nicht mehr nutzbar ist.
- Elektroplan: Wo sollen Steckdosen sein? Wie viele? Wo die Lichtschalter? Wo die Rollladensteuerung? Viele vergessen, dass sie später ein Ladegerät oder eine Lampe brauchen - und dann hängt es an einer versteckten Steckdose.
- Materialplan: Welcher Boden? Welche Fliesen? Welche Farbe? Kaufe nicht im letzten Moment. Die Lieferzeiten für Fliesen oder Fenster können bis zu 12 Wochen betragen.
Planung ist keine Zeitverschwendung - sie ist die einzige Möglichkeit, Stress zu vermeiden.
Vorbereitung: Entrümpeln ist der erste Arbeitsschritt
Bevor du anfängst, musst du alles rausnehmen. Ja, wirklich. Alles.- Möbel in den Keller oder in eine Mietlagerung.
- Küche und Bad komplett demontieren - auch die alten Leitungen.
- Fliesen, Putz, Tapeten, Decken - alles muss weg, bis zur Rohwand.
- Leichte Trennwände, die nicht tragend sind, werden abgerissen.
- Alles wird fachgerecht entsorgt. Alte Dämmstoffe, Asbest, Holz mit Schimmel - das darf nicht auf den Müll.
Das ist nicht nur sauberer - es ist auch sicherer. Und es gibt den Handwerkern Platz, um richtig zu arbeiten.
Gesetze beachten - sonst wird’s teuer
In Deutschland gibt es klare Regeln für Renovierungen. Wer sie ignoriert, riskiert Bußgelder, Haftung und sogar die Rückabwicklung des Projekts.- Gebäudeenergiegesetz (GEG): Ab 2026 müssen alle Heizungen, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden. Wenn du deine alte Ölheizung nicht ersetzt, bekommst du keine Förderung - und später muss sie trotzdem raus.
- Bauordnung: In Leipzig gibt es in vielen Vierteln strenge Vorgaben für Fassadenfarben, Dachformen und Fensterformate. Du kannst nicht einfach ein modernes Fenster einbauen, wenn das Haus unter Denkmalschutz steht.
- Asbest: Wenn du Asbest findest - und das ist in Häusern aus den 60er bis 80er Jahren häufig - musst du es von einem zugelassenen Fachbetrieb entfernen lassen. Eigenmächtiges Entfernen ist strafbar.
Informiere dich früh bei der Stadtverwaltung oder einem Bauanwalt. Ein Anruf kostet nichts - ein Fehler kostet Tausende.
Qualitätskontrolle: Nicht einfach nur zusehen
Du hast Handwerker beauftragt. Jetzt heißt es: nicht nur den Kaffee holen, sondern kontrollieren.- Prüfe jeden Arbeitsschritt, bevor der nächste beginnt.
- Frage: „Ist das nach Vorschrift?“ „Ist das dicht?“ „Ist das gerade?“
- Notiere Mängel sofort - und lasse sie vor dem nächsten Schritt beheben.
- Fotografiere alles. Vor, während und nach der Arbeit. Das ist dein Beweis, wenn später was schiefgeht.
Ein guter Handwerker freut sich über Rückmeldung. Ein schlechter wird nervös. Beides ist ein Zeichen.
Was kommt danach? Denk an die Zukunft
Eine Renovierung ist nicht nur eine Reparatur - sie ist eine Investition in die nächsten 30 Jahre.- Erneuerbare Energie: Überlege, ob du Solarthermie, Photovoltaik oder eine Wärmepumpe einbaust. Die Förderung läuft bis 2027 - danach wird es teurer.
- Trinkwasser: Ist der Warmwasserspeicher gut gedämmt? Ist die Leitung aus Kupfer? Alte Leitungen verunreinigen das Wasser.
- Smart Home: Steckdosen mit App-Steuerung? Rollladen, die automatisch hochfahren? Das ist kein Luxus - das ist Komfort, der sich bezahlt macht.
Plan jetzt, was du später brauchst. Denn einmal verputzt, ist es schwer, etwas nachzurüsten.
Wie lange dauert eine komplette Hausrenovierung?
Eine umfassende Renovierung eines Einfamilienhauses dauert in der Regel 6 bis 12 Monate. Das hängt von der Größe, dem Zustand und der Anzahl der Handwerker ab. Außenarbeiten (Dach, Fassade, Fenster) nehmen 2-4 Monate in Anspruch. Innere Installationen (Elektrik, Heizung, Sanitär) 2-3 Monate. Der Innenausbau (Boden, Tapete, Küche) nochmal 2-4 Monate. Wartezeiten für Materialien oder Wetter können den Zeitplan verlängern.
Wann ist eine Kernsanierung notwendig?
Eine Kernsanierung ist notwendig, wenn das Haus strukturell beschädigt ist oder die technischen Systeme veraltet sind. Typische Anzeichen: Feuchtigkeit in den Wänden, Schimmel, Risse in der Decke, undichte Fenster, Heizung, die nicht mehr funktioniert, oder Elektrik, die nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards entspricht. Bei einer Kernsanierung wird fast alles zurückgebaut - bis auf die tragenden Wände und Fundamente.
Kann ich Teile der Renovierung selbst machen?
Ja - aber nur bei einfachen Arbeiten: Malerarbeiten, Bodenbeläge, Abbruch von nicht tragenden Wänden, Einbau von Möbeln. Bei Elektrik, Wasser, Gas oder Dämmung solltest du immer einen Fachmann beauftragen. Das ist nicht nur sicherer - es ist auch gesetzlich vorgeschrieben. Eine falsche Installation kann die Versicherung ungültig machen.
Welche Fördermittel gibt es für Hausrenovierungen in Deutschland?
In Deutschland gibt es mehrere Förderprogramme. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt Dämmung, Fenster, Heizung und erneuerbare Energien. Die KfW bietet Zuschüsse und günstige Kredite. Für den Austausch von Ölheizungen gibt es bis zu 40 % Förderung. Die Anträge müssen vor Beginn der Arbeiten gestellt werden - nicht danach.
Wie finde ich einen verlässlichen Handwerker?
Suche nicht nur im Internet. Frag Nachbarn, Freunde oder die örtliche Handwerkerkammer. Prüfe Referenzen, schau dir frühere Projekte an und verlange ein schriftliches Angebot mit detaillierter Leistungsbeschreibung. Ein seriöser Handwerker macht keinen Rabatt, wenn du sofort zahlst - er macht einen Plan und hält sich daran.